Sonntag, 1. Juni 2008

... Toni Brunner

Sagen Sie mal, Toni Brunner, warum sollen Einbürgerungen nicht mehr an der Urne vorgenommen werden? In der Schweiz wird doch sonst auch fast alles vom Volk entschieden.
Worum geht es bei der Einbürgerung? Ein Mensch, der seit langem in unserem Land lebt, wird für würdig befunden, Schweizer zu sein: Um das entscheiden zu können, muss man den Menschen einschätzen, anschauen. Wie eine Kuh bei einer Gant. Das ist bei einem Urnenentscheid, also bei der Entscheidung einer Mehrheit über einen Einzelnen, völlig ideal. Wie bei einer Gant.

SVP-Präsident Toni Brunner argumentiert genau umgekehrt. Er sagt: «Ein Volksentscheid kann nie diskriminierend sein.»
Hihi, habe ich das wirklich gesagt? Wir wurden nämlich diskriminiert, von allen! Natürlich ist ein Volksentscheid an sich nie diskriminierend. Ausser, die Bürger werden von falschen Bürokraten hereingelegt. So wie das heute mit den Schein-SVP-Bundesräten passiert ist.

Sie vertrauen den Bürokraten mehr als dem Bürger.
Vertrauen? Sicher nicht, sonst wären wir ja nicht in der Opposition! Der Bürger ist leider viel zu lenkbar von den Bürokraten. Das haben wir heute gesehen. Die haben den falschen Vögten von Bern geglaubt, und dieser Frau aus diesem Kanton, die mal zu uns gehörte, hihihi. Irgendwann werden alle an uns glauben, hahaha.

Man kann heute sogar noch weiter gehen, bis nach Strassburg.
Das werden wir verhindern. Spätestens im Herbst! Wer will schon nach Strassburg? Bei uns gibt es auch schöne Burgen, oder?

Woher kommt eigentlich Ihr Misstrauen gegen die Volksabstimmung bei Einbürgerungen?
In meinem Heimatort gab es diesen Knecht. Er hat einem Bauern das Portemonnaie gestohlen. Man erzählte sich, der - also nicht der Bauer - sei ein Rumäne gewesen. Eine Sauerei, oder? Und das geht einfach nicht, das!

Und wie verhindern wir, dass in Zukunft Krethi und Plethi eingebürgert werden?
SVP wählen. Ich, also der Christoph, die anderen Zürcher, die Wirtschäftler, die Patrioten und eben ich, werden das verhindern. Wenn Sie SVP wählen. So einfach, hihihi.

Kurz gesagt: Mit Kopftuch kein Schweizer Pass.
Das Kopftuch ist der Hinweis darauf, dass eine Frau die vom Koran geforderte Herrschaft des Mannes akzeptiert, ob freiwillig oder unfreiwillig. Eine solche Einstellung aber widerspricht unserer Verfassung – der Gleichberechtigung der Geschlechter. Deshalb: Ja, mit Kopftuch kein Schweizer Pass, hehehe.

So gesehen, muss Bundesrätin Calmy-Rey seit ihrem Kopftuch-Auftritt in Teheran aufpassen, dass sie nicht demnächst ausgebürgert wird.
Die SVP würde das freuen. Und wenn wir demnächst 50 Prozent haben - Mörgeli meint manchmal, etwas über 33 Prozent würden reichen, hihihi - dann verbrennen wir die Calmy-Rey auf dem Scheiterhaufen. Hihihohohuhuhaha!

Sonntag, 25. Mai 2008

... Paris Hilton

Sagen Sie mal, Paris Hilton, was ist eigentlich in unseren Kinderzimmern los?
That's hot! Im Ernst: Was soll denn da los sein?

Goldene Kinderwagen, echte Silberrasseln, Kaschmir-Strampelhöschen und Pelzjäckchen, dazu Mini-Trenchcoats von Burberry mit passenden roten Lackballerinas: «VIP-Mode» gibt es jetzt vom Baby an aufwärts, von Armani über Dior bis Prada.
Sie beschreiben das totale Glück – wobei ja nicht die Kinder konsumieren, sondern die Eltern gleich dazu. Perfekt! Die kleinen Wonneproppen werden, kaum bewegen sie sich auf ihren zwei Beinchen, anständig angezogen. Das war übrigens seit Anbeginn der bürgerlichen Gesellschaft, die Ihnen ja am Herzen liegt, schon immer so.

Und damit gleich richtig aufs Leben vorbereitet.
Exactly - ganz genau.

Das Diamanthalsband für den frisch geföhnten Yorkshire Terrier und die Rolex für den Juniorchef in der Strampelhose sind also im Prinzip dasselbe: Statussymbole für Halter und Eltern?
Warum so negativ? Lieben Sie Ihre Kinder nicht? Ach so, Sie haben keine. Ich leider auch noch nicht. Aber wenn ich welche hätte, dann bekämen sie natürlich nur das Beste. Meine Hunde jedenfalls sind stets frisch geföhnt. Und das missfällt ihnen keineswegs.

Arme reiche Kinder im goldenen Ghetto...
...wir sollten die Kleinen bedauern, die in einem echten Ghetto aufwachsen. Das ist meine Meinung. Die bringens ja nur in geschätzten 5% der Fälle zu irgendetwas im späteren Leben - so ist das nun mal. Ich verstehe Ihr Problem nicht: Wenn ich mir Prada-Hosen für meine Babies leisten kann und die cool finde, dann werde ich die ihnen auch kaufen. Und wissen Sie was? Ich bin Paris Hilton. Wenn alles klappt, wird mich Prada sogar sponsern, dann bezahle ich keinen Cent für die Kleidchen, wenn's soweit ist.

Zum Glück können sich diesen Luxus ja nur wenige leisten.
Es sind nicht wenige. Auch die obere Mittelschicht uniformiert ihre Kinder mit Markenklamotten. Das ist doch gut so, das kurbelt die Wirtschaft an und schafft Arbeitsplätze.

Unser Heidi auf der Hütte beim Alpöhi wäre besser dran!
Dieses arme Bauernmädchen mit dem alten Mann, das zu den schrecklichen Menschen im Tal musste? Hören Sie auf! Wenn Heidi die Wahl gehabt hätte, hätte Sie sofort ein Kleid von Dior genommen und ihren Geissenpeter und ihren Öhi für anständige Männer links liegen lassen. Machen Sie hier mal keinen auf Sozialromantik, das ist doch verlogen.

Die Armen geniessen für einmal den grösseren Luxus.
Äh, wie bitte? das müssen Sie mir erklären. Die ganze Kleiderdebatte ist total oberflächlich von Ihnen - es kommt doch auf innere Werte an. Und Sie unterstellen den Reichen, sie würden ihren Kindern ausser Dior nichts weiter bieten. Das finde ich gar nicht hot. Schauen Sie sich die Geschichte des Bildungsbürgertums doch an: Gut angezogene Kinder, gut erzogene Kinder, gut ausgebildete Kinder an guten Schulen. Die Stützen unser westlichen Gesellschaft. Sogar ich habe es bis nach ganz oben geschafft - als gut angezogene Businessfrau. Es sollte doch möglichst so sein, dass das alle so haben können, nicht?

War das denn nicht schon immer so?
Sage ich doch. Hören Sie mir denn nicht zu? Kleider machen Leute. Das Ziel muss sein, dass es allen in der Gesellschaft gut geht. Und dass sich alle schön kleiden können.

Jetzt haben Sie mir und anderen Vätern und Müttern ein ganz schön schlechtes Gewissen gemacht.
Ein schlechtes Gewissen? Warum? Kaufen Sie ihren Kindern was Schönes. Sie werden sehen: Das wirkt Wunder für Ihr Gewissen.

Samstag, 24. Mai 2008

... Dirty Harry

Sagen Sie mal, Dirty Harry, kennen Sie das Gerücht, die ständigen Events in Zürich hätten Sie nach Berlin vertrieben?
Wie viele Drinks haben Sie schon intus? Ich wohne weder in Zürich noch in Berlin. Zigarette?

Dann hätten wir Sie ja mit Vergnügen vertrieben!
Danke für den Drink. Aber damit das mal klar ist: Mich vertreibt niemand, Schon gar kein Typ wie Sie. Und ich rauche, wo und wann ich will. Mich können Sie zu gar nichts zwingen, so sehr Sie das auch versuchen.

Da sind Sie ja mit dem «Tages-Anzeiger» endlich mal einer Meinung. Der schrieb: «In Zürich herrscht Begeisterungszwang.»
Wie gesagt, niemand zwingt mich zu irgendwas. Schauen Sie sich mal meine brettharte Miene an, die angewiderten Linien rund um den Mund, dieses «geht mich nichts an ich wills ja nicht lustig haben»-Ding - das ist jahrelanges Leiden, Franky! Und wenn ich mich hier in Ihrem Land so umsehe, sehe ich meine Fresse ziemlich oft auf der Strasse. Warum stellen Sie mir also diese schrägen Suggestiv-Fragen?

In der Zwingli-Stadt wird hart gearbeitet, warum sollen die Menschen dort nicht auch unterhalten werden?
Sie hören mir einfach nicht zu, verflucht nochmal. Barmann, noch einen Drink bitte. Ich sags noch ein letztes Mal: Ich seh ja selbst, dass hier alle eine saure Miene machen. Genau wie meine, hab ich ja eben gesagt. Und ich habe rein gar nichts dagegen, unterhalten zu werden. Sie sollten auch mal wieder abschalten, einen Action-Film ansehen, irgend sowas. Täte Ihnen gut.

Ganz ehrlich, Dirty Harry, in Berlin scheinen Sie zum preussischen Sauertopf geworden zu sein.
Ich komme direkt aus San Francisco. Was haben Sie für einen Berlin-Tick? Ich war noch nie dort! Und ein Sauertopf war ich schon lange, das kommt von meinem Job und den vielen Schicksalsschlägen.

Wenn ich Ihnen folge, dann sollten wir die Euro 08 besser gleich absagen. Da wird’s doch besonders hoch hergehen.
Das ist doch das Ding, wie heisst das, Soccer? Klar, gegen unsere Spiele ist das nix, aber freuen Sie sich doch, das wird bestimmt lustig!

Irgendwie klingt das alles so lebensunlustig ...
Führen Sie jetzt Selbstgespräche? Hey, Finger weg von meiner 44er-Magnum, die ist geladen! Armee, ich geb noch einen aus.